News

7.06.21- Gesucht: Eine Stelle als Ingenieurin oder Bauzeichnerin

„In Syrien sind die Berufe Ingenieur*in und Arzt/Ärztin am höchsten angesehen“, erzählt Samar Ismail und ergänzt, dass sie eigentlich Medizin studieren wollte, aber den erforderlichen Notendurchschnitt knapp verfehlte. An zweiter Stelle ihrer Wunschliste stand Ingenieurin und so schrieb sie sich nach dem Abitur zum Studium der Ingenieurwissenschaften ein, das sie 2008 mit exzellentem Examen abschloss. Zunächst arbeitete sie in einem Ingenieurbüro in Damaskus, bevor sie in der großen staatlichen Firma General Company for Engineering and Consulting anheuerte. Hauptsächlich war sie dort damit betraut, Bodenbeschaffenheiten zu analysieren, um die statischen Voraussetzungen für Bauprojekte zu beurteilen. Die Arbeit, erzählt sie, machte ihr großen Spaß. Hinzu kam das familiäre Glück: Samar heiratete ihren Mann Abdullah und bekam Zwillinge.
Doch im Laufe der Zeit wurde das Leben in Syrien immer schwieriger, es fehlte an Wasser, Strom, Lebensmitteln. 2014 fassten sie und ihr Mann den Entschluss, das Land gemeinsam mit ihren damals zweijährigen Töchtern zu verlassen und zur Schwester in die Türkei zu ziehen, um Schutz zu suchen. Hier lebten sie eine Weile auf engstem Raum mit der großen Familie der Schwester. Da dies keine Situation auf Dauer sein konnte entschied sich die Familie, es zu versuchen, in Deutschland ein neues Leben anzufangen. Der Weg dorthin war damals kein leichter: zu Fuß, mit dem Zug und zuletzt mit dem Auto gelangten sie nach zwei Monaten über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland, wo sie nach kurzem Aufenthalt in einem Saarbrücker Asylbewerberheim in Trier eine Wohnung beziehen konnten. Dort begann Familie Ismail sofort mit dem Aufbau des neuen Lebens: „Erstmal wollten mein Mann und ich so schnell wie möglich gut deutsch sprechen und schreiben lernen. Das B1 Zertifikat erhielten wir 2016. Für das Sprachniveau B2 musste ich dann zwei Anläufe nehmen“, berichtet Samar Ismail, die sehr gut deutsch spricht und mittlerweile sogar ein C1-Sprachzertifikat vorweisen kann.
Suchen, finden, weiterbilden
Während ihr Mann, der in Syrien BWL studiert hat, eine Ausbildung in einem Autohaus anfing, kümmerte sich Frau Ismail 2017 um die Anerkennung ihres Ingenieurabschlusses bei der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz. Beim Zusammenstellen der Unterlagen, Übersetzen der Zeugnisse half ihr die IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in Trier beim Träger Palais e.V. Fast parallel dazu begann sie in einem Projektentwicklungsunternehmen für Immobilien eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement im Rahmen einer geförderten betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQJ). Als sie im Januar 2018 jedoch ihre Anerkennung als Ingenieurin erhielt, riet ihr die Chefin, die Ausbildung abzubrechen und eine ihrer Qualifikation angemessene Stelle zu suchen.
Samar Ismail begann ein Praktikum in einem Ingenieurbüro und hoffte, dass es das Initial für ein Arbeitsverhältnis in Festanstellung sei. Doch weder Arbeitsbedingungen noch die Weiterentwicklungsmöglichkeiten waren gegeben. Die Mitdreißigerin zog einen Schlussstrich und wandte sich erneut an Palais e.V., wo man sie im Rahmen der individuellen IQ Qualifizierungsbegleitung unterstützte. U.a. half der Berater Achim Hettinger bei der Praktikumssuche, dem Aktualisieren des Lebenslaufs und beim Sondieren passender Qualifizierungen. Denn Samar Ismail war klar, dass sie allein mit der Anerkennung ihres Abschlusses und einem mittlerweile hervorragenden Deutschniveau immer noch nicht leicht eine Stelle finden würde.
Zwischenzeitlich hat sie mehrere Weiterbildungen absolviert und sich fit gemacht in den Softwareprogramen ArchiCAD, AutoCAD und Revit. Ein mehrmonatiges Praktikum bei den Stadtwerken Trier hat sie absolviert und ihre Referenzen erweitert. Aber natürlich strebt sie eine Festanstellung an, am liebsten als Ingenieurin im Bereich der Wasserversorgung oder als Bauzeichnerin in einem Ingenieurbüro. „Trotz zahlreicher Bewerbungen hat es bisher noch nicht mit einer Anstellung geklappt“, sagt Samar Ismail etwas traurig, aber nicht entmutigt. Denn sie weiß, dass sie sich unter erschwerten Bedingungen bewirbt: „In Zeiten der Corona-Pandemie sind Angebote rarer, weil Unternehmen bei jeder neuen Einstellung zögern. Zudem sind die Möglichkeiten der persönlichen Vorstellungsgespräche deutlich einschränkt.“ Aufgeben kommt für die toughe Frau aber gar nicht erst in Frage. Im August beginnt sie eine virtuelle viermonatige Brückenmaßnahme in Vollzeit, die das Institut für Berufliche Bildung (IBB) als Partner im IQ Netzwerk anbietet. Mit den Modulen Spezialist für ArchiCAD, Autodesk Revit, Allplan Basics und Allplan Spezialist baut sie ihr Wissen und ihre Kenntnisse nochmal deutlich aus.
Parallel wird sich Samar Ismail weiter bewerben und hofft, sobald wie möglich eine Stelle zu finden. Zwischendrin wartet mit dem Erwerb des Führerscheins schon mal eine weitere Herausforderung auf sie: Die Theorie hat sie bestanden, in Kürze steht der praktische Teil der Prüfung an.

Aktuelles

Gesucht: Eine Stelle als Ingenieurin ode...

Samar Ismail will in Trier eine Arbeit finden
mehr

Ehem. Exhaus-Hort wird Hort Trier-Nord

Der Palais e.V. übernimmt die Trägerschaft.
mehr

#tr0112

Kostenloses Beratungsangebot
mehr

Meine Hilfe zählt - Spendenprojekt

Start »Kleine Dinge - große Wirkung 2020«
mehr

Wiedereröffnung Jugendtreff Blue

Palais e.V. übernimmt Trägerschaft
mehr