Jahrgang 2012

Trierischer Volksfreund vom 21.12.2012

Jugendkicker vom Dorf schenken Stadtkids ein Fußballtor
Es geht voran: Gleich drei Projekte konnten diese Woche, noch rechtzeitig vor Weihnachten, unter Dach und Fach gebracht werden. Und die Chance ist gut, bis zum Jahresende die 600 000-Euro-Marke zu durchbrechen.
Trier. Das Geschwisterprojekt der Villa Kunterbunt hat es geschafft, der Fazit-Sozialfonds auch, und ganz schnell ging es bei "Herbst im Kopf", der gemeinsamen Initiative des Demenzzentrums Trier und der Matthias-Grundschule. Die finanzielle Basis erlaubt es nun, die Arbeit für Familien mit schwerkranken Kindern, für arme Familien und für an Demenz erkrankte Senioren im kommenden Jahr fortzusetzen oder sogar noch auszubauen. Vielen Dank dafür!
So richtig stark gestartet ist auch das Projekt "Kleine Dinge - Große Wirkung" (Nr. 11 663) des Palais e.V., bei dem es um Materialien Schul- und Freizeitgestaltung für Kinder geht, die von Haus aus nicht viel Geld haben. Gerade vorgestellt, ist fast schon die Hälfte der benötigten rund 1200 Euro zusammengekommen. Eine ganz wichtige Rolle haben dabei die Kinder und Jugendlichen des SV Mehring gespielt. Sie sammelten mehr als 400 Euro und packten noch ein paar Sachspenden dazu - unter anderem ein Fußballtor. Auch in den letzten Tagen waren sie noch einmal unterwegs, um bei Firmen um einen Obolus zu bitten. "Es ist ganz toll, wie unsere Kinder den Kindern vom Palais helfen können", sagt Iris Herber-Cordier, die dem TV von der vorbildlichen Aktion erzählt hat.
Extra
Schulsachen für das Palais. Die Familienhilfe des Palais e.V. betreut Kinder nach der Schule. Dafür braucht der Verein Schulsachen und Spielzeug. TV-Leser können helfen, dass der Verein kleine Dinge von der Weihnachtswunschliste streichen kann. Projektnummer 9619.
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Trierischer Volksfreund vom 18.12.2012

Der etwas andere Wunschzettel
Vom Fußball bis zum Zirkel: Manchmal stellt die Anschaffung von Schul- und Freizeitmaterial eine Herausforderung dar - für Familien wie für die Familienhilfe des Palais e. V. TV-Leser können mithelfen, dass die kleinen Dinge von der Weihnachtswunschliste eine große Wirkung erzielen können.
Trier. Zur Schulzeit in Trier kann auch gehören, dass der Füller plötzlich fehlt und nicht so einfach ersetzt werden kann. Denn in manchen Familien reißt jeder zusätzlich benötigte Euro ein Loch in die knappe Haushaltskasse. "Manchmal fehlt auch der Zirkel oder das Geodreieck", sagt Christian Botzet, Palais-Sprecher und Leiter der pädagogischen Lernhilfegruppe.
Dass es an notwendigem Schulmaterial hapert, erlebt er des Öfteren bei den 55 Kindern, die nach der Schule ins Palais kommen. Dort bekommen die Erst- bis Neuntklässler ein warmes Mittagessen, sie werden bei den Hausaufgaben unterstützt und die freie Zeit wird gemeinsam gestaltet. Das Palais-Angebot findet im Rahmen der sogenannten ambulanten Hilfen für Erziehung, statt. Die Kinder erfahren Strukturen und sie werden gestärkt. "Allen Schülern ist gemeinsam, dass sie in Situationen groß werden, die für ihre Entwicklung nicht förderlich sind", sagt Botzet. Da sitzt der Junge, der seinen Vater nicht kennt und miterleben musste, wie seine alleinerziehende Mutter erkrankte und starb; daneben die Schülerin, deren Eltern belastet sind und sich nicht angemessen um sie kümmern können. Und da gibt es das Kind, das sehr klug ist, aber in der Schule streikt. Jeder Schüler bringt seine eigene Geschichte und seine Probleme mit.
Auch die Angebote rund um die Hausaufgaben spielen eine wichtig Rolle: "Beim Kartenspiel wird viel vom Tag erzählt, oder die Schüler verausgaben sich beim Tischtennisspielen", sagt der Palais-Sprecher. In einer Kochgruppe geht es nicht nur ums Brutzeln und Essen, es geht ebenso um Gemeinschaft und wertvolle Küchengespräche. So wie die Bewältigung der schulischen Anforderungen voraussetzt, dass die Schreibutensilien vorhanden sind, ist es für die Schüler wichtig, dass ihnen etwa Spiele oder Pfannen zur Verfügung stehen. "Und genau die Gesamtkosten dieser Materialien stellen immer wieder eine hohe finanzielle Hürde für uns dar", sagt Botzet.
Das Team und die Kinder der pädagogischen Lerngruppe wollen keine riesigen Sachen anschaffen, sie haben eine Weihnachtswunschliste mit Kleinigkeiten, die sie im täglichen Miteinander nutzen können, zusammengestellt.
TV-Leser können unter der Projektnummer 11663 dazu beitragen, dass "kleine Dinge", vom Lederfußball bis hin zu Buntstiften, angeschafft werden können und eine große Wirkung bei den Kindern und Jugendlichen erzielen. Auch über neue Sachspenden freut sich die Palais-Gruppe.
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Trierischer Volksfreund vom 18.11.2012

Skater müssen weiter auf neue Halle warten
Die Stadt Trier hat immer noch keine Ersatzhalle für das Skater-Projekt X gefunden. Im Februar hatte der Stadtrat beschlossen, bis 15. November über die Zukunft des bisher als Skatehalle genutzten Ex-Supermarkt-Geländes in der Aachener Straße zu entscheiden.

Daraus wurde jedoch nichts. Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne) teilte in der jüngsten Stadtratssitzung mit: "Die Gespräche laufen noch. Wir werden im Stadtvorstand über eine Lösung reden, die keine Lücke entstehen lässt. Ich gehe davon aus, dass sich die Angelegenheit bis ins Frühjahr hinziehen wird." Bis Jahresende 2012 dürfen die Skater und BMX-Fahrer am alten Standort bleiben, so lange läuft der Vertrag mit dem Verein Palais. Das betroffene Gelände in Trier-West ist als künftiges Wohnquartier vorgesehen. Die Suche nach einer Ausweichmöglichkeit für das Projekt X geht weiter, doch noch ist keine andere Halle in Sicht. cus
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Trierischer Volksfreund vom 16.11.2012

Die dritte Saison kann kommen
Mit dem Kochprojekt der Palais e.V. und der Tschernobyl-Hilfe Reinsfeld hat "Meine Hilfe zählt" die Initiativen 121 und 122 abgeschlossen - und damit auch das zweite Jahr seiner Existenz. Am Montag geht es mit Riesenschwung in die dritte Runde.

Trier. Auf zwei kompletten Volksfreund-Seiten werden wir in der Dienstag-Ausgabe die vorweihnachtliche Spendensaison eröffnen. 42 engagierte Projekte warten auf Hilfe, und der sechste Hunderttausender ist bei der Spendensumme auch nicht mehr fern. Wir freuen uns mit den gemeinnützigen Trägern über jede Spende, aber auch über jede Aktion, die einem der Projekte zugutekommt.
So wie beim Palais e.V. in Trier. 3360 Euro haben die TV-Leser gespendet, um ein Kochprojekt für benachteiligte Jugendliche zu ermöglichen. Sie lernen, sich selbst zu versorgen - und vielleicht auch ein bisschen, wie sie ihr Leben organisieren.
Ebenfalls abgeschlossen für dieses Jahr: das Projekt Sommer-Erholung für Tschernobyl-Kinder im Hunsrück. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt - und deshalb auch sehr bald ein neuer Aufruf der seit Jahren aktiven Gastgeber.
Und immer wieder gibt es neue Ideen. Zum Beispiel die Initiative "Herbst im Kopf" des Demenzzentrums Trier. Kinder aus der Grundschule St. Matthias treffen auf Senioren, die an Demenz erkrankt sind. Man spielt, liest, musiziert zusammen - und beide Seiten profitieren davon. Aber für die Beförderung der Kranken, für Verpflegung, Materialien und eine kleine Fahrtkosten-Entschädigung für die ehrenamtlichen Betreuer entstehen Kosten. Nicht die Welt, aber gut 200 Euro im Monat wären nötig. Macht für ein komplettes Schuljahr 2500 Euro. Wer die Initiative unterstützen will: die Projekt-Nummer lautet 11348. DiL
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16vor vom 08.11.2012

„Diese Härte habe ich nicht gewollt“
“Jugend- und Sozialarbeit auf dem Abstellgleis!" lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend im Mergener Hof. Derart groß war der Andrang, dass es erst gar nicht der Redebeiträge bedurfte, um für dicke Luft im völlig überfüllten Keller zu sorgen. Mitarbeiter von freien Trägern griffen Rat und Verwaltung an, diese ließen es an der nötigen Wertschätzung für die Arbeit der Verbände missen. Die heftig in die Kritik geratene Bürgermeisterin Angelika Birk (B90/Die Grünen) konterte die Vorwürfe, räumte aber ein, dass die Kommunikation zwischen Rathaus und Trägern verbessert werden könnte. Frust und auch Existenzängste herrschen bei vielen Betroffenen, die nun hoffen, dass ihre Botschaft bei den Entscheidungsträgern angekommen ist - zumindest bei denen, die am Augustinerhof Verantwortung tragen.
TRIER. Dieser Tage schaffte es die Trierer Bürgermeisterin in die überregionale Presse, wenn auch her unfreiwillig: In einem Beitrag der Welt  tauchte die Grüne auf. Redakteuer Daniel Friedrich Sturm brachte kürzlich eine Biographie über den designierten SPD-Kanzlerkandidaten und hoch dotierten Vortragsreisenden Peer Steinbrück heraus, nun schrieb Sturm über dessen Verhältnis zu Frauen, “die sich allein als Frauenpolitikerinnen verstehen und im schlimmsten Fall noch jede Äußerung emotional gestalten. Angelika Birk sei “solch eine Frau gewesen, schreibt Sturm, “für ihre umständliche und ineffiziente Art fehlte Steinbrück jedes Verständnis”. Birk und Steinbrück gehörten in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zeitgleich der Kieler Landesregierung an. Während der Sozialdemokrat zwischenzeitlich von der Landes- auf die Bundesbühne wechselte, verschlug es die Grüne wieder in die Kommunalpolitik. Seit fast drei Jahren steht Birk an der Spitze des Sozialdezernats.
Am Mittwochabend steht sie auf einer Bühne im mit mehr als 300 Menschen gefüllten Keller des Jugendzentrums Mergener Hof, neben ihr der von Reinhold Spitzley (Palais e.V.) als “neutraler Moderator” angekündigte Dieter Lintz. Der TV-Redakteur hatte vergangene Woche schon mal die Tonlage vorgegeben, von einem “Aufstand der Enttäuschten" schrieb Lintz in der Lokalzeitung und attestierte “Birk, Jensen und Co. ein “politisches Debakel. Gut möglich, dass die Bürgermeisterin dem Moderator vor diesem Hintergrund die Neutralität nicht mehr so recht abnehmen wollte, doch dürfte Birk auch so klar gewesen sein, was sie bei dieser Diskussion erwartete.
“Wir haben das Gefühl, unsere Arbeit wird nicht wirklich wertgeschätzt", gab Spitzley zum Auftakt die Stimmung unter den Verbänden wieder. Die Mitarbeiter arbeiteten “am Limit", seien bedrückt ob der ungewissen weil planlosen Situation. “Im öffentlichen Dienst wird jede Lohnerhöhung weitergegeben, bei uns nicht", beklagte der Palais-Chef, und dass in einem Nachtragshaushalt schon mal 300.000 Euro zusätzlich für den Kita-Ausbau durchgewunken würden, die Verbände aber im laufenden Haushalt 168.000 Euro einsparen mussten. Auch Hilger Hoffman vom Ex-Haus klagte über fehlende Verlässlichkeit, zudem werde die Bedeutung der freien Träger für die Jugendarbeit völlig unterschätzt. Bis zum 14. Lebensjahr gebe es mit dem Hort noch ein Angebot, “dann hört die Förderkette" auf, so Hoffmann.
Dem Moderator klang all das zu zahm, ob denn alles nur ein kleines Kommunikationsproblem sei, wollte Lintz wiederholt wissen. Doch nun hatte erst einmal Birk das Wort: Die Grüne verwies auf den Bund, der einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz beschlossen hat, weshalb die Jugendämter der Rathäuser nun alle Hände voll damit zu tun hätten, ausreichend Betreuungsangebote zu schaffen. Sie teile dieses Ziel ausdrücklich, betonte die Bürgermeisterin, nicht aber die Haltung der Kommunalaufsicht, dass Leistungen für die freien Träger lediglich “freiwillige Aufgaben" sind, bei denen im Zweifel gekürzt werden kann. Sodann kam Birk auf das Thema Kommunikation zu sprechen: “Ich ziehe mir den Schuh nicht an, wir hätten nicht miteinander geredet oder ich hätte das von oben herab bestimmt". Das Gegenteil sei der Fall gewesen. Zudem hätten sie und OB Klaus Jensen eine ursprüngliche Sparvorgabe der ADD von einer Million in vielen Gesprächen auf 168.000 Euro heruntergehandelt. “Diese Härte habe ich nicht gewollt, aber ich stand vor der Alternative, diese Auflage zu erfüllen, oder aber der Haushalt wäre nicht genehmigt worden.
Jörg Drekopf von der Mobilen Spielaktion e.V. deutete “im Teil Verständnis an, auch sehe er den Auftrag “zu schauen, was ist machbar. Doch all das helfe ihm und seinen Kolleginnen nicht mehr weiter. Seit 2006 habe es für seinen Verein keine Erhöhung der Zuschüsse mehr gegeben, angesichts der Teuerung habe sich so schon jetzt eine faktische Kürzung von 10 Prozent ergeben. Mit der Sparvorgabe von 5 Prozent in diesem Jahr werde das bestehende Angebot akut gefährdet. “Wir haben immer versucht, unsere Leistungen aufrecht zu erhalten, so Drekopf, doch sei dies bald wohl nicht mehr möglich; auch, weil man inzwischen 15 Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis beschäftige. Jugendamtsleiter Achim Hettinger widersprach der Wahrnehmung, ihm und seinen Kollegen im Jugendamt fehle die Wertschätzung für die freien Träger: auch ihm sei daran gelegen, zu einer “kooperativen Atmosphäre zurückzukehren. Doch, so Hettinger weiter, stehe man ebenfalls unter den Zwängen des Gesetzgebers und der Kommunalaufsicht: "wir haben auch Not". Als Petra Moske (Nestwärme) lautstark einwarf, Menschen wie Hettinger seien unkündbar und bekämen als Angestellte des öffentlichen Dienstes regelmäßig Gehaltssteigerungen, während viele Mitarbeiter freier Träger nicht auf Weihnachtsgeld hoffen könnten, erntete sie hierfür viel Applaus und einen Konter von Birk: Ob Frau Moske denn ernsthaft glaube, dass sich die Probleme lösen ließen, wenn man nur die Rathausbediensteten entlasse?
Das würde in der Tat kaum weiterhelfen, doch Hilfe versprechen sich viele der Beteiligten von den Ziel- und Leistungsvereinbarungen, welche die Verwaltung mit den Trägern plant. Seit eineinhalb Jahren verhandle man darüber, kritisierte Jürgen Etzel vom Diakonischen Werk und zweiter Mann der Liga, "aber wir sind bis heute nicht zu Potte gekommen". Birk griff den Ball auf: Ihr sei es “sehr wichtig gewesen, dass wir verlässlichere Strukturen bekommen, erklärte sie, derartiges hat es unter ihrem mehr als 20 Jahre amtierenden Vorgänger Georg Bernarding (CDU) schließlich nie gegeben. Doch als die Verträge quasi unterschriftsreif gewesen seien, hätten die Vorgaben der ADD ihr die Geschäftsgrundlage entzogen. Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V., das die Stadt bei der Ausrichtung von Workshops für die Vereinbarung von Zielvereinbarungen unterstützte, sah alle Beteiligten “auf einem guten Weg". Ein solcher Prozess brauche aber Strukturen, und diese zu entwickeln brauche wiederum Zeit. Müller verwies zudem auf einen wichtigen Aspekt: “Wann hat in den letzten zehn Jahren jemand mal ernsthaft über das Thema Jugend diskutiert?", fragte er in die Runde; seit Jahren werde doch nur noch über Kita-Ausbau und Ganztagsschulen debattiert, nicht aber über die Bedarfe der freien Träger der Jugendarbeit.
“Wir haben das Gefühl, wir laufen gegen Mauern", so Spitzley. Ein Ohnmachtsgefühl, von dem auch Mitglieder der im Rat vertreten Fraktionen ein Lied singen können" und es dann auch sangen. “Mich muss niemand mehr bekehren, aber wir werden ja immer fremdbestimmt", klagte Hans-Alwin Schmitz (FWG) mit Blick auf die ADD sein Leid. Woraufhin ein Mann aus dem Publikum aufgebracht in den Saal rief: “Also ist es egal, wen ich wähle?". Marc-Bernhard Gleißner schlug den Bogen vom Kommunalen Entschuldungsfonds zu 400-Euro-Jobs und warf den Ratsmitgliedern der anderen Parteien vor, einfach nicht energisch genug Position zu beziehen und nicht gegen die Sparvorgaben vorzugehen. Sven Teuber (SPD) hatte sichtlich Mühe, die Äußerungen Gleißners zu ertragen. Der Sozialdemokrat kritisierte, dass die “Lobby der Ortsbeiräte viel größer ist als im sozialen Bereich". Nur so sei auch zu erklären, weshalb regelmäßig Geld für neue Kunstrasenplätze bereitgestellt werde. Ihre Fraktion habe gegen die Kürzung im Sozialbereich gestimmt, bemerkte die Grüne Petra Kewes, “aber jetzt müssen wir das Beste draus machen". Jürgen Plunien (CDU) unterstrich derweil wieder die Notwendigkeit verlässlicher Ziel- und Leistungsvereinbarungen. Zwar sei es richtig, dass der Stadtrat die Mittel für die einzelnen Träger in den vergangenen Jahren nicht aufgestockt habe, aber “wir haben jedes Jahr neue Träger mit aufgenommen".
Spitzley erklärte am Tag danach gegenüber 16vor, er habe den Eindruck, dass die politischen Vertreter die Botschaft vernommen und erkannt hätten, dass es nicht bloß um ein paar Euro, sondern ans Eingemachte gehe. Man werde demnächst Gespräche mit den Fraktionen führen. Angelika Birk sagte, sie wolle die Ziel- und Leistungsvereinbarungen voranbringen und erreichen, dass die Zuschüsse zumindest auf dem ursprünglichen Niveau von 2012 zurückgeführt werden, also vor der 5-Prozent-Sparvorgabe. Das sei dann immer noch nicht ausreichend, aber sie wolle auch nichts versprechen, was sie nicht halten könne.
Und was hält die Grüne nun von Peer Steinbrück und der gemeinsamen Zeit im Kabinett Heide Simonis? Der Sozialdemokrat sei ein “starke Minister" gewesen, “ohne ihn ging nichts". Aber Steinbrück sei eben auch “ein Technokrat, und das ist nicht meine Vorstellung von Politik und Demokratie".
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Trierischer Volksfreund vom 31.10.2012

Der Aufstand der Enttäuschten
Trierer Sozialorganisationen sind unzufrieden mit "ihrem" Dezernat
Die Träger der freien Sozial- und Jugendarbeit in Trier sind sauer auf die Stadt. Ihr Vorwurf: Das zuständige Dezernat arbeite planlos, kommuniziere nicht mit den Betroffenen und lasse die engagierten Haupt- und Ehrenamtler ins Messer laufen. Hintergrund sind die aktuellen Sparvorgaben

Die offene Jugend- und Sozialarbeit in Trier galt einst als bundesweites Modell. Es war Bürgermeister Paul Kreutzer (CDU), der mit vielen neuen Ideen ein ungewöhnliches Bündnis schmiedete zwischen Politik, Verwaltung und Trägern. Auch unter seinem Nachfolger Georg Bernarding blieb die "Sozial-Szene" eine vergleichsweise verschworene Gemeinschaft, deren Auskommen dank politischer Lobbyarbeit zwar nicht üppig, aber doch ziemlich gesichert war.
Urteilt man nach der Stimmungslage bei Jugendzentren, Bürgerhäusern, Treffs, Stadtjugendring, Palais oder Kinderschutzbund, dann liegt das einstige Musterprojekt in Scherben. Dabei geht es auch, aber nicht nur ums Geld. Die Betroffenen vermissen bei der Stadtspitze vor allem planmäßiges Vorgehen und rechtzeitige Absprachen.
Ins Scheinwerferlicht waren die Probleme geraten, als die Stadt letzten Sommer im laufenden Haushalt mit dem Rasenmäher fünf Prozent des Budgets kürzte. Die Sozialträger hatten seit Jahren die Erarbeitung von Entwicklungsplänen verlangt, in denen Prioritäten festgeschrieben werden sollten - die Stadt brachte sie nicht zuwege. So blieben mangels festen Rahmens auch die von beiden Seiten gewünschten "Ziel und Leistungsvereinbarungen" Makulatur.
Der Stadtrat stimmte zu, aber unter der Prämisse, mit den Trägern umfassend über die weitere Entwicklung zu reden. Nun liegt der Doppelhaushalt 2013/14 auf dem Tisch, und die Vertreter der Einrichtungen betonen unisono, niemand habe sie ernsthaft in Grundsatz-Gespräche einbezogen. Auch die Einstellung einer Sozialplanerin zu Jahresbeginn habe sich bislang in keiner Weise bemerkbar gemacht.
Es geht nicht einmal um eine Riesen-Summe. 168.000 Euro sollen gegenüber dem ursprünglichen Ansatz für 2012 eingespart werden - das klingt machbar angesichts des Riesen-Batzens, den der Sozial-Etat im Trierer Haushalt ausmacht. Aber der Eindruck trügt. Die Zuschüsse für freie Träger machen gerade mal ein Prozent der laufenden Kosten im Gesamthaushalt der Stadt aus. Die Summen sind bis zum letzten Euro verplant, oft sind sie die Voraussetzung für die Zuschüsse, die vom Land kommen. Durch den Wegfall des Zivildienstes sind gerade kleine Träger ohnehin angeschlagen.
"Jetzt kommen wir in einen Teufelskreis", sagt Marita Wollscheid vom Jugendzentrum Euren. "Das gibt ein Sterben auf Raten", fügt Stefan Zawar-Schlegel vom Treffpunkt am Weidengraben hinzu - und es klingt nicht nach routiniertem Gejammer. Dabei sei die Arbeit, vor allem mit Kindern, "gefragter denn je", berichtet Hilger Hoffmann vom Exhaus, "auch im Sinn der Stadt".
Da ärgert es die Betroffenen, wenn im Jugendhilfeausschuss riesige Kostenüberschreitungen wie bei der Kita Tarforst ohne große Diskussion durchgewunken werden, während man gleichzeitig um jeden Euro für die offene Jugendarbeit feilscht. "Wir sollen alles machen und noch mehr, aber das für fünf Prozent weniger", empört sich Jörg Drekopf vom Stadtjugendring. Dass Dezernentin Birk nun in Aussicht stellt, die Einsparsumme für 2012 wieder um 64.000 Euro zu reduzieren, vergrößert den Ärger sogar noch: Das Dezernat, so die einhellige Meinung, habe verschlafen, einen entsprechenden Passus auch in den neuen Doppel-Haushalt 2013/14 einzubringen.
Unter dem Titel "Jugend- und Sozialarbeit auf dem Abstellgleis" laden die Träger am 7. November um 19 Uhr zu einer Diskussion mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Fachöffentlichkeit im Jugendzentrum Mergener Hof ein. Alle interessierten Bürger sind eingeladen.
Meinung
Politisches Debakel für Rot-Grün
Von Dieter Lintz
Die Träger der Jugend- und Sozialarbeit in Trier sind keine Dogmatiker. Sie unterhalten keine großen Apparate, sind seit Jahren daran gewöhnt, mit wenig auszukommen. Und sie sind sogar bereit, über Geld und Sparen zu reden, ohne gleich wie ihre Kollegen von der Kultur den Untergang der Zivilisation an die Wand zu malen.
Was sie verlangen, ist eine Selbstverständlichkeit: Dass, je weniger da ist, um so präziser geplant werden muss. Dass Politik und Verwaltung, wenn sie denn Mittel zusammenstreichen, auch sagen, welche Leistungen entfallen sollen. Und dass sie mit den Betroffenen reden, vielleicht sogar deren Know-how einbeziehen.
Der Stadtvorstand in Trier kann nichts dafür, dass er sparen muss. Aber wie er das tut, dafür kann er durchaus was. Die einst "neue Mehrheit" ist angetreten für mehr Transparenz, mehr Beteiligung, mehr Ehrlichkeit. Es ist ein politisches Debakel für Birk, Jensen und Co., wenn ihnen ausgerechnet ihre Seelenverwandten aus der Sozial-Szene Politik nach Gutsherrenart vorwerfen und sich nach den Zeiten der Bernarding und Schröer zurücksehnen. d.lintz    volksfreund.de
Verwaltungssicht
Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne) weist alle Vorwürfe zurück. Es gebe in Trier eine "ausgesprochen gute Infrastruktur" bei sozialen Einrichtungen als Ergebnis "fruchtbarer Zusammenarbeit in der Vergangenheit". Zur Erstellung eines Kinder- und Jugendförderplans habe sie gerade einen Zeitplan vorgelegt. Schwerpunkte: offene Kinder- und Jugendarbeit und Familienbildung. Die Entscheidung für die pauschale Fünf-Prozent-Kürzung entspreche dem Votum der Träger. Es habe etliche Einzelgespräche mit den Trägern gegeben. Erhöhte Leistungen seien ihnen angesichts der Kürzungen nicht abgefordert worden. DiL
"Der Stil hat sich geändert, wir werden jetzt behandelt wie das fünfte Rad am Wagen."
Stefan Zawar-Schlegel, Treff am Weidengraben
"Wenn das Wasser sowieso schon bis zum Hals steht, ist jeder weitere Zentimeter zu viel"
Reinhold Spitzley, Palais e.V.
"Alles ist viel nebulöser als früher, niemand sagt, was wichtig ist und was gebraucht wird."
Jörg Drekopf, Stadtjugendring
"Wir wissen auch, dass Geld nicht auf Bäumen wächst. Warum nutzt keiner unsere Kompetenz?
Bettina Bulitta-Steimer, MJC
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Trierischer Volksfreund vom 27.09.2012

Neue Zeiten, neue Helfer
Freiwilligendienst statt Zivildienst: Die Träger in der Region ziehen ein Jahr nach diesem Umbruch ein überwiegend positives Fazit. Einige Organisationen mussten allerdings in die Trickkiste greifen - oder kämpfen weiterhin mit Problemen.
Trier. "Wir hatten keine Probleme mit der Umstellung auf den Bundesfreiwilligendienst", sagt Kerstin Reisen von der Lebenshilfe Trier. Die Lebenshilfe habe bereits vor Ende des Zivildienstes verstärkt auf das freiwillige soziale Jahr gesetzt, um den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Zudem habe man mehr Ausbildungsstellen geschaffen.
Bei der Caritas ergibt sich ein ähnliches Bild. Zurzeit seien 27 Freiwillige in den Arbeitsalltag integriert, erklärt Marion Francois, die für deren Betreuung und Koordinierung zuständig ist. Anfangs habe man befürchtet, nicht genügend Freiwillige zu finden. Diese Sorgen seien unbegründet gewesen. Es habe keinerlei Schwierigkeiten bei der Umstellung nach dem Ende des Zivildienstes gegeben.
Beim Trierer Palais e.V. sieht man den Wechsel ebenfalls gelassen. "Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht", sagt Christian Botzet. Man habe stets ausreichend Bewerbungen, um die drei angebotenen Stellen besetzen zu können. Ein Vorteil sei sicherlich, dass der Verein mit Jugendlichen arbeite und die Stellen sich so schnell herumsprächen.
Etwas umorientieren mussten sich dagegen die Johanniter, wie deren Landesjugenddezernent Felix Nitsch berichtet. Es seien Lücken entstanden, die die rund 60 Bundesfreiwilligendienstler allein nicht hätten ausfüllen können, erklärt Nitsch. Die offenen Stellen seien jedoch adäquat mit 400-Euro-Kräften und Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) besetzt worden.
Schwerwiegende Probleme verzeichnet dagegen das Studierendenwerk Trier. Momentan ist nicht eine einzige der insgesamt neun offenen Stellen besetzt. "Die fehlenden Freiwilligen werden schmerzlich vermisst", sagt Josef Eiden, stellvertretender Geschäftsführer des Studierendenwerks. Man habe schlichtweg keine Bewerbungen für den Bundesfreiwilligendienst erhalten, erklärt er. Nur durch Umstellungen und Mehrarbeit seien die dadurch entstandenen Lücken zu füllen.
Extra
Im Juli 2012 haben mehr als 1000 Freiwillige ihren Dienst in Rheinland Pfalz geleistet. Obwohl es nach oben keine Altersgrenze gibt, sind etwa 80 Prozent der Bundesfreiwilligen (Bufdis) weniger als 27 Jahre alt. Männer und Frauen fragen den Dienst in etwa gleich stark nach. Die Einsatzbereiche für die Freiwilligen sind vielseitig. So werden die jungen Männer und Frauen in allen Einrichtungen eingesetzt, die gemeinwohlorientiert sind. Das können neben Einsätzen in der Behindertenhilfe, Altenpflege oder Jugendarbeit auch Stellen sein, die sich der Kultur- und Denkmalpflege oder dem Katastrophenschutz widmen. sek
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Wochenspiegel vom 18.09.2012

Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Sozialraumzentrum Konz wurde eröffnet
In den Schillerarkaden 2 in Konz wurde am Freitag, 14.September das Domizil des "Sozialraumteams Konz“ offiziell eröffnet. "Passgenaue und bedarfgerechte Unterstützung von Familien, Präventionsarbeit und die Vernetzung mit den Angeboten vor Ort – das sind einige der Ziele, die hinter dem Konzept der sozialraumorientierten Kinder- und Jugendhilfe stehen, das im Landkreis Trier-Saarburg entwickelt wurde“, erklärte Harald Herres vom Caritasverband Trier.
Im vergangenen Jahr hatte der Kreistag Trier-Saarburg das Konzept zu dem Projekt "Sozialraumorientierte Jugendhilfestrukturen im Landkreis Trier-Saarburg" beschlossen und sich für die Erprobung in den beiden Modell-Sozialräumen Konz und Schweich ausgesprochen.
Der Modell-Sozialraum Konz arbeitet seit August 2011 in einer engen Kooperation zwischen dem Kreisjugendamt, dem Caritasverband Trier, dem Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais  sowie dem Sozialwerk Saar-Mosel. Nun ist das Team dieser Kooperationspartner in Konz auch räumlich präsent.
,,Das Sozialraumzentrum in den Schillerarkaden 2, ist Anlaufstelle für Eltern und Erziehungsberechtigte, für Kinder und Jugendliche, aber auch für Fachkräfte in Kindertagesstätten, Schulen und Betreuungseinrichtungen“, äußerte Anne Jochem vom Sozialwerk Saar-Mosel. Bereits kommende Woche startet laut Christiane Hanke vom Palais ein Mutter-Kind-Treff.
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Trierischer Volksfreund vom 16.09.2012

Kinder sind das Zukunftspotenzial
Zu "Mehr Mitarbeiter fürs Jugendamt" (TV vom 3. September):
Als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe und damit "ausführendes Organ" an der Basis begrüßen wir es, dass die bislang befristet beschäftigten Mitarbeiterinnen des Jugendamtes nunmehr dauerhaft dort tätig sein werden, und freuen uns auf eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, ob und wie diese zusätzliche Personalkapazität wirksam werden kann, wenn parallel den freien Trägern deutliche Kürzungen ins Haus stehen. Was vermutlich den wenigsten Trierern bekannt sein dürfte: Die tägliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien wird beileibe nicht nur im Rathaus durchgeführt, sondern zum größten Teil an die freien Träger delegiert. Wer aber wegen Mittelkürzungen nicht mehr das nahe gelegene Jugendzentrum besuchen kann, landet möglicherweise bald als (tragischer?) "Fall" bei den Mitarbeiterinnen des Jugendamtes. Wer von dort nicht zeitnah an einen freien Träger zur Betreuung vermittelt werden kann, weil dieser wegen Mittelkürzungen Personal abbauen musste, der landet möglicherweise in einer Heimeinrichtung. Oder er findet sich vielleicht in der Zeitung wieder, weil er in eine gewalttätige Auseinandersetzung verwickelt war (vergleiche Berichterstattung über Prügeleien auf dem Petrisberg und in Trier-Nord vom gleichen Tag). Dies alles kostet die öffentliche Hand bedeutend mehr, als das Kürzungspaket jemals einsparen könnte! Kinder und Jugendliche sind das Zukunftspotenzial unserer Gesellschaft, und das nicht nur mit Blick auf die Sicherung des Rentensystems. Wer hier seine Aufgaben vernachlässigt, muss früher oder später die Zeche zahlen, und das nicht nur in Form von Vandalismus und Exzessen. Es wäre daher im Interesse aller Trierer, wenn die Jugend- und Sozialarbeit endlich die politische Aufmerksamkeit bekäme, die sie verdient. Nicht nur durch markige Worte nach besonders öffentlichkeitswirksamen Ereignissen wie Weiberdonnerstag, sondern durch dauerhafte Unterstützung unserer gesellschaftlich wertvollen und unentbehrlichen Arbeit.
Reinhold Spitzley, Trier,
Leiter und Geschäftsführer
Verein Palais

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Trierischer Volksfreund vom 14.09.2012

Elterncafé des Palais e.V. mit Preis ausgezeichnet
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat den Palais e.V. und dessen Lichtpunkte-Projekt Elterncafé ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte insbesondere die engagierte und professionelle Arbeit rund um das Elterncafé. Lichtpunkte ermöglicht den unkomplizierten Meinungsaustausch von Eltern untereinander. Das Elterncafé soll dabei die richtige Atmosphäre herstellen. Darüber hinaus unternimmt der Palais e.V. mit Eltern und Kindern Ausflüge zu Kulturereignissen aus dem vielfältigen Angebot der Stadt Trier. red
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Trierischer Volksfreund vom 14.09.2012

Familienprobleme: Neue Anlaufstelle in Konz
Mit der Eröffnung eines Sozialraumzentrums in Konz wird die Jugendhilfe in der Verbandsgemeinde Konz neu geordnet. Statt der zentralen Stelle in der Kreisverwaltung Trier-Saarburg in Trier ist ab sofort ein Sozialraumteam in Konz zuständig. Das Büro in den Schillerarkaden wird am Freitag um 14 Uhr offiziell eröffnet.
Das neue Konzer Sozialraumzentrum ist ein Pilotprojekt im Kreis Trier-Saarburg. Es dient als Anlaufstelle für Eltern und Erziehungsberechtigte, für Kinder und Jugendliche sowie auch für die Fachkräfte in Kindertagesstätten, Schulen und Betreuungseinrichtungen. Ziel ist es, die Hilfe und Beratung vor Ort zu bündeln und so zu verhindern, dass überhaupt Problemfälle mit Betreuungsbedarf entstehen. Problemfälle sind zum Beispiel vernachlässigte Kinder, die darunter leiden, dass ihre Eltern zu wenig Zeit für sie haben - egal, ob die Eltern zu viel arbeiten oder sich wegen Drogen- oder Alkoholproblemen nicht um ihren Nachwuchs kümmern. Mit dem Sozialraumzentrum werden die Wege kürzer gemacht, und die Hilfe wirkt eher präventiv.
Der Kreis Trier-Saarburg investiert insgesamt 540.000 Euro in das Projekt. Neben dem Kreisjugendamt sind der Caritasverband für die Region Trier, die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais aus Trier und das Sozialwerk Saar-Mosel aus Merzig daran beteiligt. Insgesamt sind künftig sieben Mitarbeiter in den Büros in Konz vor Ort.                                                                                                                                                                                                                                             zurück zur Übersicht

Lichtpunkte.info vom 10.09.2012

Elterncafé des Palais e.V. wird offizieller Lichtpunkt
Im Rahmen des Aktionstags „Trier engagiert sich!“ am 02. September 2012 wurde das Projekt „Elterncafé des Palais e.V.“ in Trier mit dem Lichtpunkte-Zertifikat ausgezeichnet.  Bianca Monzel, Leiterin der Regionalstelle Rheinland-Pfalz der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, überreichte das Zertifikat an Monika Backes, Leiterin des Projektes, und an Reinhold Spitzley, Geschäftsführer des Palais e. V., und zeichnete damit das erfolgreiche Engagement für Eltern und Kinder aus.
Im wöchentlichen Elterncafé haben die Mütter und Väter die Möglichkeit, sich zu treffen und sich zu den Themen auszutauschen, die sie beschäftigen. Dazu gehört auch, wöchentliche Angebote und Inputs für Eltern aus den Bereichen Erziehung, Ernährung, Bewegung, Freizeitgestaltung und Kreativität in einer offenen Atmosphäre anzubieten, Familien die Teilnahme an Ausflügen zu ermöglichen oder einen Spielkreis zu gestalten, in dem Eltern und Kinder gemeinsam lernen können, ihren Alltag auf spielerische Weise zu gestalten.  
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Trierischer Volksfreund vom 23.08.2012

Ort der Begegnung und Kommunikation eröffnet
Zahlreiche Mitarbeiter der im Mehrgenerationenhaus am Balduinsbrunnen ansässigen Einrichtungen, aber auch Gäste aus der Nachbarschaft sind im neuen Café Balduin zur Eröffnungsfeier zusammengekommen. Träger des Betriebs ist die neue Café-Balduin-Palais gGmbH des Palais-Vereins für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.
"Es soll ein Ort der Begegnung und der Kommunikation sein", sagte Palais-Geschäftsführer Reinhold Spitzley. "Das Café steht Leuten im Haus, Nachbarn und jedermann offen." In Kooperation mit den Jobcentern Trier und Trier-Saarburg sollen benachteiligte Jugendliche und Alleinerziehende dort erste Schritte in die Arbeitswelt tun können; auch Ausbildungsplätze sind vorgesehen. Rechts im Bild der Café-Betreiber Oswald Steines.
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16vor vom 22.08.2012

“Balduin” offiziell eröffnet
TRIER. Im Trierer Mehrgenerationenhaus in der Christophstraße ist am Mittwoch das neue “Café Balduin” offiziell eröffnet worden. Reinhold Spitzley vom Palais e.V. sprach angesichts des mehrjährigen Vorlaufs von “keiner leichten Geburt”.
2006 zogen der Palais e.V. und die Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle Trier e.V. (Sekis) in das Anwesen ein, auch der Verein Nestwärme bezog dort sein Hauptquartier. Von Beginn an habe man den Wunsch verfolgt, einen Ort der Begegnung und Kommunikation in dem Gebäude der früheren Reichsbahndirektion zu schaffen, berichtete Nestwärme-Chefin Petra Moske gegenüber 16vor. Aus Mitteln des RTL-Spendenmarathons habe man nun einen Teil der Innenausstattung des neuen Cafés finanzieren können. Dem Betreiber Palais e.V., der für das Café eigens eine gGmbH gründete, sagte sie weitere ideelle Unterstützung zu: “Wir begreifen das hier auch als eine Solidargemeinschaft”, erklärte Moske, deren Verein Trägerin des Mehrgenerationenhauses ist.
Für einen höheren fünfstelligen Betrag wurde das Café in den vergangenen Monaten hergerichtet, hell und freundlich wirkt das Innere nun; wo einst Knastzellen des früheren Gerichts waren, finden sich jetzt die sanitären Anlagen. Als operativer Geschäftsführer fungiert Oswald “Ossi” Steines, der schon die Geschicke der “Glocke” lenkte, bevor diese von Unternehmer Peter Brommenschenkel aufgekauft wurde. Vor und nach seiner “Glocke”-Zeit arbeitete Steines beim Palais e.V., nun will er mit einer halben Stelle das Café ans Laufen bringen – gemeinsam mit einem Koch in Vollzeit und zwei Teilzeitkräften im Service. Er habe das Rad nicht neu erfinden müssen, erklärte Steines am Mittwoch in seiner Ansprache vor Gästen; man werde auf eine kleine Karte setzen, auf regionale Produkte und eine saisonale Küche. Geplant seien zudem verschiedene Veranstaltungen. Für Mittwochabend hat sich der Trierer Musiker und 16vor-Cartoonist  Jimi Berlin angesagt.
Reinhold Spitzley ist derweil optimistisch, dass das Café auch Menschen erreicht, die nicht im Mehrgenerationenhaus arbeiten oder dort zu tun haben. Der Betrieb müsse sich selbst tragen und knüpfe an das frühere “Lesécaf锝 im Palais Walderdorff an. Das hatte nach dem Wegzug des Palais e. V. der dann später in die Insolvenz gegangene Produktion e. V. geführt. Die ersten zehn Tage “Probelauf” im “Balduin” stimmten ihn sehr optimistisch, dass das neue Angebot in der Christophstraße angenommen werde. Im Café sollen auch Praktika für Menschen angeboten werden, die Qualifizierungsmaßnahmen des Palais e.V. durchlaufen. Hier könnten sie einen ersten Eindruck davon gewinnen, ob eine Tätigkeit in der Gastronomie ihnen zusage, so Spitzley.
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Trierischer Volksfreund vom 15.08.2012

Zeit und Ort zum Glücklichsein
Das Bahnhofsviertel hat ein neues Schmuckstück: das Café Balduin im Mehrgenerationenhaus. Es ist als Kommunikationszentrum unter anderem für die zahlreichen Mitarbeiter im Haus gedacht. In Zukunft sollen hier junge Leute ausgebildet werden.
Trier. "Nimm dir Zeit zum Glücklichsein", steht in geschwungenen Lettern an der Wand. Ein großer, hell und freundlich wirkender Raum erwartet die Besucher des Café Balduin im Trierer Mehrgenerationenhaus. Zahlreiche Fenster bieten Ausblicke etwa auf den neu gestalteten Platz mit dem Balduinbrunnen, auf altehrwürdige Bürgerhäuser und in Richtung Hauptbahnhof. Die Einrichtung ist modern und vielseitig, die Theke großzügig; im hinteren Bereich laden zwei gemütliche Sitzecken mit Sofas und Sesseln zum Verweilen ein.
"Die Idee zum Café gab es schon vor fünf Jahren, als wir hier eingezogen sind", sagt Sandra Grau, Bereichsleiterin Berufshilfe beim Palais e.V., dem Trierer Verein für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. "Eine Begegnungsstätte für alle sozialen Träger hier im Haus", fügt sie hinzu. Die notwendige Sanierung des Mehrgenerationenhauses habe die Realisierung verzögert. Träger des Café Balduin ist der Palais e.V., der eigens dafür eine gGmbH gegründet hat. Das Café ist ein Wirtschaftsbetrieb mit Ausbildungs- und Qualifizierungscharakter: "Benachteiligte Jugendliche und Alleinerziehende sollen hier zukünftig im Restaurantfach und in der Küche ausgebildet werden", sagt Grau. Zunächst seien Erprobungen und Praktika vorgesehen.
Claudia Werle ist unter anderem als Bedienung und in der Küche tätig. Seit Ende 2010 ist die alleinerziehende Mutter beim Palais e.V. auf die Hauswirtschaftsprüfung vorbereitet worden, die sie im April bestanden hat. Nun absolviert sie hier einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi). "Im Café arbeite ich sehr gerne mit, das ist eine ganz spannende Geschichte", sagt Werle. Im Anschluss an den Bufdi winkt ihr möglicherweise eine Festanstellung. Ein bekanntes Trierer Gesicht wirkt auch im Café Balduin mit: Oswald "Ossi" Steines, ehemaliger Wirt der Glocke. Er hatte bereits bis Ende 2009 als Pädagoge für den Palais e.V. gearbeitet. Nun hat er für den Verein das Café übernommen. "Es hat mich gereizt, etwas Neues zu gestalten und mit Leben zu füllen", sagt er. Eigene Ideen wolle er umsetzen. Davon kündet auch die vielseitige Speise- und Getränkekarte.
Neben den rund 200 Mitarbeitern im Mehrgenerationenhaus sollen Besucher und Passanten angesprochen werden. Im Außenbereich sind Stehtische vorgesehen, die kleine Terrasse im Innenhof soll neu gestaltet werden. Die bislang noch eher kahlen Wände des Cafés sollen Künstlern zur Verfügung stehen. So zeigt Luda Liebe aus Monheim am Rhein zur offiziellen Café-Eröffnung am 22. August um 15 Uhr die Fotoausstellung "Menschen unternehmen Leben".
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In Zukunft sollen im Café auch Kochkurse und Weinproben, Konzerte und Dichterlesungen stattfinden, auch ein Catering ist geplant. "Wir sind kreativ, und das macht Spaß", resümiert Ossi Steines. Und Sandra Grau freut sich: "Das Interesse am Café ist bereits jetzt sehr groß.

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16vor vom 18.07.2012

Palais-Tochter eröffnet Café
TRIER. Eine Tochterfirma des Trierer Palais e.V. wird in wenigen Wochen im Mehrgenerationenhaus ein neues Café eröffnen. Voraussichtlich im August könnte zudem auch die “Genussgesellschaft” in der Nagelstraße fertiggestellt sein.
Einen Steinwurf vom gleichnamigen Brunnen entfernt, soll das “Café Balduin” in der Christophstraße von dem in der Trierer Gastroszene bekannten ehemaligen Geschäftsführer der “Glocke”, Oswald Steines, gemanagt werden. Der Palais e.V. gründete eigens eine gGmbH, die das Café betreiben wird. Das soll im Innenbereich 50 Sitzplätze vorhalten, weitere 20 sind im Innenhof geplant, erklärte Sandra Grau vom Palais e.V. am Mittwoch gegenüber 16vor. Das Café werde kein klassischer Integrationsbetrieb sein, doch sei vorgesehen, dass Alleinerziehende und Jugendliche dort eine Möglichkeit bekommen, ausgebildet und qualifiziert zu werden.
Unterdessen verzögert sich die Eröffnung der “Genussgesellschaft” in der Nagelstraße. Nachdem das kleine Haus, das sich in einem desolaten Zustand befand, mit viel Engagement restauriert wurde, sollte dort ursprünglich “Anfang 2012”³ ein kleiner Buchladen mit angeschlossenem Café eröffnen. Einen “gemütlichen Treffpunkt” wolle er schaffen, kündigte Eigentümer Michael Becker an, und das wolle er auch weiterhin, wie er versichert. Doch auch der zweite kommunizierte Eröffnungstermin – “Anfang April” – verstrich. Er habe das Projekt “ohne zeitlichen Druck” realisieren wollen, so Becker, “wenngleich das Timing selbst meine kühnsten Erwartungen inzwischen überschritten hat”.
Durch viele selbst ausgeführte Arbeiten und “am Ende doch extrem aufwändige Details der Restauration hat sich die Fertigstellung enorm verzögert. Hinzu kommen fast unlösbar scheinende Probleme, die heutigen Interessen unter anderem des Brandschutzes mit denen der Nutzung und des Denkmalschutzes zu vereinen”, berichtet Becker weiter. Hier sei man nun aber “endlich kurz vor dem Ziel”. Parallel habe man ein kleines Team zusammengestellt, welches den Bereich Buch und Café betreuen werde. Er sei “sehr zuversichtlich, dass wir irgendwann im Laufe des nächsten Monats die ersten Buchkäufer und Interessierten begrüßen können”, so Becker.
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Trierischer Volksfreund vom 13.07.2012

Freie Träger haben Angst vor noch höheren Sozialkürzungen
Die Stadt hat alle freien Träger der Jugend- und Sozialarbeit schriftlich aufgefordert, eine Checkliste möglicher Einsparungen auszufüllen. Die Einrichtungen sollen die Folgen der vom Stadtrat beschlossenen Kürzung der städtischen Zuschüsse dokumentieren - und zwar sowohl um fünf als auch um 15 Prozent.
Trier. "Die dahinter steckende Idee ist simpel", sagt Palais-Geschäftsführer Reinhold Spitzley. "Wenn ein Träger sagt, bei mir sind absolut keine Kürzungen möglich, dann muss ein anderer eben umso höhere Streichungen verkraften." Spitzleys Ärger ist groß. "Das ist unsolidarisch, und wir machen es nicht mit."
Das vom Jugendamt verschickte Schreiben ist offenbar eine direkte Reaktion auf den in der jüngsten Stadtratssitzung mehrheitlich gefassten Beschluss, das von der Kommunalaufsicht geforderte Sparpaket über 1,9 Millionen Euro anzunehmen - und damit auch die Kürzung der städtischen Zuschüsse an die Träger der Jugend- und Sozialarbeit um fünf Prozent (der TV berichtete). 168 000 Euro will die Stadt auf diese Weise sparen.
Der Rat hatte die Kürzung unter der Prämisse angenommen, die Streichungen mit den betroffenen Einrichtungen abzustimmen. Die Sozialdemokratin Maria Ohlig wurde mit ihrer Aussage während der Ratsdebatte zur Prophetin: "Die Beratung soll zeigen, wo vielleicht noch Luft ist und in welchen Fällen die Kürzung die Existenz gefährdet."
Genau das will die Verwaltung offenbar herausfinden. Demnach drohen einzelnen Trägern, bei denen "noch Luft ist", sogar Zuschusskürzungen bis zu 15 Prozent. "Mit einer endgültigen Klärung, inwiefern Ihre Einrichtung von Kürzungen betroffen ist, können Sie im August rechnen", schreibt das Jugendamt.
"Kein Träger kann im laufenden Geschäftsjahr einfach so Zuschüsse zurückzahlen", sagt Bettina Bulitta-Steimer, Geschäftsführerin des Jugendzentrums Mergener Hof. "Dafür sind unsere Personal- und Finanzdecken viel zu dünn." Palais-Chef Spitzley belegt diese Aussage mit Zahlen. "Im Jugendtreff Mariahof arbeiten wir mit 1,75 Stellen und verzeichnen bei steigender Zahl an Anmeldungen jetzt schon ein Defizit von 10 000 Euro. Die Kürzung von fünf Prozent unserer Zuschüsse würde ein Minus von weiteren 2800 Euro pro Jahr bedeuten."
Im Mergener Hof sieht es genauso aus. "Ohne ehrenamtliche Unterstützung könnten wir unser Ferienprogramm gar nicht durchführen, und meine beiden Mitarbeiter haben trotzdem mehr als 200 Überstunden", sagt Chefin Bulitta-Steimer. Auch Caritasdirektorin Sandra Bartmann schlägt Alarm: "Wenn in fünf ausgelasteten Familienberatungsstellen derart gekürzt werden soll, fällt eine Mitarbeiterin weg, die Arbeit leidet, und die Wartezeiten steigen enorm." Bartmann will das Spardiktat nicht hinnehmen. "Der Caritasverband Koblenz hat gegen Zuschusskürzungen im laufenden Geschäftsjahr geklagt. Von diesem Anwalt lassen wir uns auch beraten."
Bernd Weihmann ist der Leiter des Bürgerhauses Trier-Nord. "Der Stadtrat hat dem Sozialdezernat den Schwarzen Peter zurückgegeben, und das Dezernat gibt ihn jetzt zurück an uns freie Träger. Niemand will Verantwortung übernehmen. Man verliert regelrecht den Antrieb, sich zu engagieren."
Meinung
Sozialarbeit hat keine Lobby

Den Trägern der Jugend- und Sozialarbeit fehlt eine hörbare Lobby. Dieser riesige Markt vom Ferienprogramm für Daheimgebliebene bis zur dringend notwendigen Hilfe und Beratung für notleidende Menschen hat keine entschlossenen Fürsprecher in Trier. Die Verwaltung weicht von ihrem ursprünglichen Ziel ab, allen die Zuschüsse um fünf Prozent zu kürzen. Der neue Plan: Wer schon auf dem Zahnfleisch geht, wird verschont. Wer noch frei atmen kann, blutet dafür umso mehr. Solche Amateurmethoden gefährden ein enorm wichtiges System, das qualifizierte Kräfte und entsprechende Mittel braucht. Der Stadtrat hat die von der Verwaltung angesagten Kürzungen ohne große Proteste mehrheitlich angenommen. Dabei hat er es in der Hand, klar festzulegen, was in Trier Priorität hat und was nicht. Dieser Verantwortung wurde er bisher nicht gerecht. j.pistorius    volksfreund.de
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Trierischer Volksfreund vom 27.06.2012

Ideen für Gleichaltrige
Selbst aktiv werden ist Ziel eines Projekttags des Palais e. V. gewesen. Mit kreativen Ideen sollen Jugendliche etwas für ihre Altersgenossen tun. Ergebnis: Sie wollen Hip Hop tanzen und Graffiti sprühen.
Trier. "Streetdance und Graffitisprühen, das interessiert uns", sagt Lea Biewer aus der achten Klasse der St.-Maximin-Hauptschule in Trier. Mit acht Mitschülern überlegt sie einen ganzen Tag lang, womit sie ihre Altersgenossen begeistern könnte. Es ist eine Ideenwerkstatt im Rahmen der Initiative "Think Big" unter der Schirmherrschaft der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sowie der Telefónica Germany. Ziel ist es, Jugendliche anzuregen, selbst Ideen zu entwickeln, um das Leben in der eigenen Stadt zu verbessern. In Trier hat die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e. V. die Leitung des Projekts übernommen.
Am Ende der Ideenwerkstatt steht fest: Es soll einen Tanz- und einen Graffitiworkshop geben. "Jazz- und Streetdance, aber auch Hip Hop sind Tanzrichtungen, die Jugendliche ansprechen", sagt Lea Biewer (15). Jugendliche sollen in dem Workshop selbst ausprobieren, welcher Tanzstil zu ihnen passt. Zudem möchten sich die Schüler professionelle Unterstützung von Choreografen und Tanzlehrern holen.
Weil sie finden, dass in Trier mehr Schmierereien als schöne Graffitis zu sehen seien, brachte die Schüler auf die Idee zu ihrem zweiten Workshop: das Graffitisprühen. "Mit dem Graffitiworkshop möchten wir dazu beitragen, dass in Trier künftig mehr schöne Graffiti zu sehen sind - natürlich auf legalen Stellen", sagt Sebastian Schons (15), der sich auch gerne selbst im Graffitisprühen üben möchte. Für den Workshop planen die Jugendlichen, Sprayer aus Trier mit ins Boot zu holen. "Die sollen uns zeigen, wie das geht, und nach dem Workshop möchten wir uns wöchentlich treffen und das üben. Falls wir Flächen von der Stadt gestellt bekommen", sagt der Achtklässler. Die Schüler sind davon überzeugt, dass in Trier zahlreiche Industriehallen brachliegen, die sie als Leinwand für ihre Graffiti nutzen könnten.
Die Initiative fördert jeden Workshop mit einer Summe von 400 Euro.
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Trierischer Volksfreund vom 15.06.2012

Triers soziale Träger schlagen Alarm
21 freie Träger protestieren öffentlich gegen die Pläne von Sozialdezernentin Angelika Birk, im laufenden Haushalt und in den nächsten Jahren die Leistungen im Jugend- und Sozialbereich um fünf Prozent zu kürzen.
Trier. In ihrem am Freitag verschickten offenen Brief finden die Träger deutliche Worte. "Sparen Sie nicht an der Jugend und den Schwächsten unserer Stadt. Gefährden Sie nicht die mühsam aufgebauten Strukturen im Sozialbereich." Empfänger dieses Appells ist die Stadtverwaltung Trier: Sozialdezernentin Angelika Birk habe die Fünf-Prozent-Kürzung in einem Gespräch mit Vertretern der Träger angekündigt - mit dem Verweis, dass noch gravierendere Kürzungen folgen könnten.
Auch wenn nähere Details dieser Kürzungen noch nicht feststehen, sind die Befürchtungen bereits sehr konkret. Fünf Prozent - das sei ein Kahlschlag und gefährde die Existenz einiger Einrichtungen, warnen die Träger von Beratungsstellen sowie Institutionen der Jugend- und Sozialarbeit (siehe Extra). "Drastische Folgen für das soziale Klima und die Hilfelandschaft der Stadt" seien laut dem Schreiben der 21 Träger die Folgen, dazu komme ein "herber Vertrauensverlust in die kommunalen Entscheidungsträger". Die bereits für das laufende Jahr angekündigten Kürzungen seien zudem "weder durch eine fachliche Perspektive noch von politischen Diskursen über inhaltliche Schwerpunktsetzungen, Prioritäten und Zukunftsperspektiven begleitet und vorbereitet".
Oberbürgermeister Klaus Jensen unterstreicht unterdessen die Zwänge, nach denen die arme Stadt Trier sich richten muss. Mit elf Millionen Euro im Jahr trägt Trier seinen Schuldenberg von 680 Millionen Euro ab, die Zinsen liegen bei 18,7 Millionen Euro. "Das ist eben der zentrale Unterschied zwischen einer kreisfreien Stadt wie unserer und einem Privathaushalt oder einem Unternehmen", sagt Jensen. "Normalerweise darf ich nicht mehr Geld ausgeben, als ich einnehme. Aber genau dazu werden wir als Stadt gezwungen."
Im Herbst werden die Beratungen des Haushaltsplans beginnen, und dieses Mal ist es wieder ein Doppelhaushalt für 2013 und 2014. Die Sparansage von Bürgermeisterin Birk wird die Debatte der Ratsfraktionen prägen. Noch ist offenbar völlig unklar, welche einzelnen Träger und Angebote von der fünfprozentigen Einsparung betroffen sein werden.
Alle hoffen auf 2014
Das Kernproblem des Rats und der Verwaltung ist dagegen seit vielen Jahren klar: "Die Vorgaben des Gesetzgebers übersteigen unsere Einnahmen deutlich", sagt Jensen. Die Haupteinnahmequelle der Stadt, die Gewerbesteuer, werde allein von den Kosten der sozialen Sicherung aufgefressen. Dazu kommen personelle Notwendigkeiten. Jensen geht ins Detail: "Wir müssen Dutzende Erzieherinnen einstellen, um den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gewährleisten zu können." Außerdem muss die Stadt eine zweistellige Anzahl von Feuerwehrleuten ausbilden und beschäftigen, um die gesetzlich vorgeschriebene Höchstreaktionszeit von acht Minuten bis zum Eintreffen am Einsatzort einhalten zu können.
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Doch es gibt auch gute Nachrichten. Alle kommunalen Rathausspitzen blicken auf den 1. Januar 2014. Bis zu diesem Datum muss das Land den kommunalen Finanzausgleich neu regeln, so hat der Verfassungsgerichtshof entschieden. Das heißt: Das Land muss mehr Geld zu den Kommunen fließen lassen, damit diese ihre Aufgaben erfüllen können, ohne dabei immer mehr Schulden machen zu müssen. Jensen: "Entweder nimmt der Gesetzgeber Pflichten von den Kommunen weg oder er erhöht ihren Steueranteil."
Eine Festlegung von Prioritäten stehe bevor, sagt der Rathauschef und betont die Notwendigkeit unpopulärer Entscheidungen wie Schul- und Friedhofsschließungen. Zu diesen Entscheidungen gehören wohl auch die Kürzungen im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit.
Extra
Sie haben unterzeichnet: Bürgerhaus Trier-Nord, Caritasverband Trier e.V., Ehrenamtsagentur Trier, Exzellenzhaus e.V. Trier, Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Trier, Jugendwerk Don Bosco Trier-West/Helenenberg, Jugendzentrum Auf der Höhe, Jugendzentrum Euren, Lebensberatung des Bistums, Lebensberatung Trier, Lernen fördern, Mergener Hof e.V., Mobile Spielaktion e.V., Palais e.V., Pro Familia Trier, Sekis Trier, Starthilfe Trier e.V., Suchtberatung Trier e.V. Die Tür, Treffpunkt am Weidengraben, Jugendparlament, Verein Jugend und Arbeit. Der offene Brief der 21 Träger schließt mit dem Appell an die Stadtverwaltung: "Sparen Sie nicht an der Jugend! Investieren Sie in Zukunft!" jp
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16vor vom 15.06.2012

“Es droht ein herber Vertrauensverlust”
Zahlreiche Trierer Vereine und Verbände schlagen Alarm: In einem offenen Brief warnen sie die Stadt vor Kürzungen bei den Leistungen im Jugend- und Sozialbereich. Von einem “beispiellosen Vorgang” ist die Rede, man sei schockiert und bestürzt. Von einem “Kahlschlag” schreiben die Unterzeichner des Briefs, von einer “existenziellen Bedrohlichkeit dieser Vorgehensweise”. Hintergrund ist eine von Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (B90/Die Grünen) kürzlich gemachte Ankündigung einer Sparvorgabe von fünf Prozent. Im Rathaus äußert man zwar Verständnis für die Sorgen der freien Träger, verweist aber auch auf die Haushaltsnöte der Stadt. Vor der nächsten Ratssitzung soll es eine Demonstration auf dem Augustinerhof geben.
TRIER. Es wurde ein regelrechter Brandbrief, verfasst nach “anfänglicher Sprachlosigkeit”, wie es in dem Schreiben heißt. Vorausgegangen war ein Gespräch der freien Träger in der Stadt Trier mit Bürgermeisterin Birk. “Schockiert und mit Bestürzung” habe man bei der Gelegenheit von den geplanten Kürzungen bei den Leistungen der kommunalen Daseinsvorsorge im Jugend- und Sozialbereich erfahren. “In einem beispiellosen Vorgang wurde ohne Ansehen der Folgen für die Träger, deren Adressaten und die Lebensqualität in der Stadt Trier Kürzungen in Höhe von fünf Prozent im laufenden Haushalt 2012 und die folgenden Jahre angekündigt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass dies nur der Einstieg in weitere Kürzungen sein könnte”.
Die Liste der Unterzeichner reicht vom Bürgerhaus Trier-Nord über den Caritasverband Trier e.V., die Ehrenamtsagentur, das Exzellenzhaus, die Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral, das Jugendwerk Don Bosco Trier-West/ Helenenberg und die Jugendzentren “Auf der Höhe” und Euren bis zur Lebensberatung des Bistums. Der Standort Trier von Lernen fördern hat sich dem Protest ebenso angeschlossen wie der Mergener Hof e.V.,  die Mobile Spielaktion,  der Palais e.V., Pro Familia,  SEKIS, Starthilfe Trier e.V., die Trierer Suchtberatung Die Tür, der Treffpunkt am Weidengraben, Trierer Jugendparlament und der Verein Jugend und Arbeit e.V. Gemeinsam fordern die Vereine und Verbände: “Sparen Sie nicht am falschen Ende! Sparen Sie nicht an der Jugend und den Schwächsten unserer Stadt! Gefährden Sie nicht die mühsam aufgebauten Angebotsstrukturen im Sozialbereich! Investieren Sie weiter in die Zukunft eines lebenswerten Triers!”
Das Problem für die Stadt und ihre Spitze sowie den Rat: Ob richtig oder falsch – längst muss an allen Ecken und Enden gespart werden, will Trier noch den Vorgaben der Kommunalaufsicht nachkommen. Im April hatte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) den städtischen Haushalt für das laufende Jahr genehmigt – allerdings unter der Auflage, dass 2012 noch eine zusätzliche “Ergebnisverbesserung” um 1,9 Millionen Euro bewerkstelligt wird. Quer durch alle Fraktionen herrscht seither große Ratlosigkeit, wo denn dieses Geld noch aufgetrieben werden soll angesichts der seit Jahren desaströsen Haushaltslage und vorangegangener Konsolidierungsbemühungen (wir berichteten). Aus der Verwaltung hieß es am Freitagmittag auf Anfrage, man habe durchaus Verständnis für die Sorgen der Freien Träger, müsse aber auch nach Wegen und Möglichkeiten suchen, den Auflagen der ADD gerecht zu werden. Der offene Brief sei ein “ernst zu nehmender Vorgang”, erklärte der Sprecher Stadt, Dr. Hans-Günther Lanfer gegenüber 16vor. Das Thema werde am Montag sicherlich den Stadtvorstand beschäftigen.
Vereine warnen vor Vertrauenskrise
Man verschließe sich der Realität und der Finanzsituation der Stadt nicht, betonen unterdessen Vereine und Verbände. Aber: “Mit Blick auf den desolaten Haushalt der Stadt, den bestehenden Schuldenberg und die daraus resultierenden schwindenden Gestaltungsspielräume der kommunalen Selbstverwaltung haben die Träger von Sozialeinrichtungen, Beratungsstellen und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit bereits in den letzten beiden Dekaden schleichende Kürzungen mitgestaltet und damit den städtischen Haushalt entlastet”. Während Löhne und Sachaufwendungen ständig gestiegen seien, habe man “durch Ausschöpfung aller Effizienzreserven und durch kluges Haushalten die in den letzten Jahren stagnierenden Zuwendungen” kompensiert.  Weiter heißt es in dem Brief: “Der kommunale Rückzug aus der Finanzierungsverantwortung für eine auskömmliche finanzielle Ausstattung der freien Träger gefährdet zudem Landesmittel und Mittel anderer Dritter, dort wo deren Kofinanzierung von der städtischen Förderhöhe abhängt. Dies ist in diesen Fällen dann in der Folge für die betroffenen Träger immer gleichbedeutend mit faktischen Kürzungen im zweistelligen Prozentbereich”. Hinzu kämen “lang erwartete Lohnanpassungen von voraussichtlich bis zu 6 Prozent, die die Einsparnotwendigkeiten bei einzelnen Trägern real auf annähernd 18 bis 20 Prozent erhöhen können”, machen die Unterzeichner ihre Rechnung auf.
Da die Einsparvorgabe zudem für das laufende Jahr gelte, müssten die Mittel in der Hälfte der Zeit eingespart werden, da die Ausgaben aus dem ersten Halbjahr nun nicht mehr beeinflusst werden könnten. Vor diesem Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, dass die geplanten Kürzungen bei einzelnen Einrichtungen existenzbedrohend werden könnten. Es drohe zudem ein “herber Vertrauensverlust in die kommunalen Entscheidungsträger”, weil die Kürzungen auch Leistungen beträfen, “die die Träger im Vertrauen auf städtische Zuwendungszusagen bereits erbracht haben”. Verschärft werde das Problem noch dadurch, dass die Stadt das “Rasenmäherprinzip” anwenden und auf politische Schwerpunktsetzungen verzichten wolle.
Bei ihrem Brief wollen es die Vereine und Verbände nicht belassen, für den 28. Juni rufen sie für 15 Uhr zu einer Demonstration auf. Vor dem Rathaus, wo an diesem Tag die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause ansteht, will man sich Gehör verschaffen.
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16vor vom 16.05.2012

“Die Hemmschwelle ist rapide gesunken”
Es sollte auch eine Antwort auf die Alkoholexzesse von Weiberdonnerstag in der Trierer Innenstadt sein – die gut besuchte Podiumsdiskussion “Kein Volksfest ohne Vollrausch? Welche Strategien wirken gegen den Alkoholmissbrauch Jugendlicher?” Auf Einladung der CDU-Stadtratsfraktion diskutierten Experten und Vertreter von Jugendeinrichtungen über Ursachen und Konsequenzen des Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen. Streitpotential und konkrete, auf die Stadt bezogene Lösungsansätze waren indes rar. Stattdessen wurde ein Katalog bekannter Forderungen geboten: mehr Präventionsarbeit an Schulen, verschärfte Kontrollen und ein jugendgerechtes Unterhaltungsprogramm. Eine Teilnehmerin appellierte auch an die Erwachsenen: “Wir sollten uns öfter mal an die eigene Nase fassen”.
TRIER. Mehr als 60 Jugendliche, die wegen übermäßigem Alkoholkonsum ambulant oder stationär behandelt werden mussten, rund 100 Polizisten im Einsatz, 17 Gewahrsamnahmen, 150 Platzverweise und zahlreiche Fälle von Beleidigungen der Beamten – die Erinnerungen an die düstere Bilanz eines eskalierten Weiberdonnerstages waren noch präsent, als im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais über die Begleiterscheinungen von Volksfesten diskutiert wurde. Ob beim Altstadtfest, im Palastgarten oder eben jüngst an Karneval – Alkoholexzesse stehen bei fast jedem deutschen Brauchtum auf der Tagesordnung. Betroffen sind oft schon Jugendliche, deren feuchtfröhliches Feiern mitunter auf der Notaufnahme eines Krankenhauses endet.
Die Veranstaltung sei nicht nur eine Reaktion auf den Weiberdonnerstag, erklärte Dr. Ulrich Dempfle, Fraktionsvorsitzender der CDU, sondern auch auf die Entscheidung des Stadtrats, den Pachtvertrag mit der “blauen Lagune” in der Ostallee zu verlängern. “Viele Anwohner haben uns den Vorwurf gemacht, den Jugendlichen zu ermöglichen, sich die ganze Nacht durch mit Alkohol zu versorgen”, berichtete Dempfle, der die Podiumsdiskussion moderierte.
Mit Zahlen und Fakten näherte sich Dr. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamts Trier, der Problematik zunächst noch behutsam. Tatsächlich geben die Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärungen erst einmal Anlass für Optimismus. So ist der Anteil junger Erwachsener, die regelmäßig Alkohol trinken, seit den 1970er-Jahren insgesamt rückläufig. Auch das Alter, in dem die Jugendlichen ihren ersten Vollrausch erleben, hat sich laut Bundeszentrale seit 2004 deutlich nach hinten verschoben. Wirklich beruhigen konnten die nüchternen Zahlen die Diskutanten nicht. “Mag sein, dass sie weniger trinken”, wendete Marc Powierski von der Polizei Trier ein, “aber sie trinken vor allem anders. Das komatöse Saufen hat deutlich zugenommen.” Powierski war an Weiberfastnacht selbst im Einsatz und berichtete von der zunehmenden Gewaltbereitschaft der betrunkenen Jugendlichen. Ein zentrales Problem sieht er in der mangelnden Aufklärung der Heranwachsenden über die Wirkungen von Alkohol. “Die können oft gar nicht abschätzen, was mit ihnen passiert, wenn sie eine halbe Flasche Wodka trinken.” Als Beauftragter für Jugendsachen der Polizeidirektion Trier setzt Marc Powierski auf “ursachenorientierte Aufklärung” und eine Kooperation von Polizei und Schulen, um solche Unsicherheiten auszuräumen. “Die Angebote für Drogenprävention an Schulen sind da. Es mangelt jedoch an Vernetzung und guter Präsentation der Präventionsarbeit.”
Harald Michels vom Gesundheitsamt schien sich gar nach Zeiten zurückzusehnen, in denen die Ausgangssperre noch die Trunkenbolde von den Straßen fernhielt. “Die Hemmschwelle im öffentlichen Raum zu trinken ist rapide gesunken. Da kommt man einfach billiger an den Alkohol ran”, erklärte er. “Das Ordnungsamt ist zu unterbesetzt, um damit fertig zu werden.” Äußerst brisant war Michels Bericht über Fälle, bei denen sich junge Erwachsene den Alkohol auf eine sehr unkonventionelle Art zuführten: Ein mit Hochprozentigem getränkter Tampon werde anal eingeführt, sodass der Alkohol über die Schleimhäute direkt ins Blut gelangt. Auch an Karneval in Trier hätten Narren diese Methode gewählt. Unter den geladenen Diskutanten war auch Louis-Philipp Lang, Vorsitzender des Trierer Jugendparlamentes. In der vergangenen Sitzung hatte sich das Jugendparlament intensiv mit den Alkoholexzessen an Fastnacht beschäftigt. Der 17-Jährige kennt den Gruppenzwang unter Jugendlichen gut. “Wenn man nicht auf den Gelagern am Hauptmarkt dabei war und auf den Facebook-Fotos nicht mit drauf ist, kann man sich ganz leicht ins Abseits manövrieren”, berichtete er. Lang sieht insbesondere die Schulen in der Verantwortung, an Tagen wie Weiberdonnerstag kein Schulfrei zu geben.
Bettina Bulitta-Steimer und Reinhold Spitzley konnten vor allem den Erfahrungsschatz und Pragmatismus aus ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in die Diskussion einbringen. “Das Klagen über die Jugend ist so alt wie die Menschheit selbst”, beschwichtigte Spitzley, Geschäftsführer des Palais e.V., die Runde. Man müsse darüber nachdenken, wie man attraktive Alternativveranstaltungen von und für Jugendliche schaffe. Dort müsse auch ein Anreiz gesetzt werden, auf alkoholische Getränke zu verzichten. “Es ist nicht in Ordnung, dass nicht-alkoholische Getränke auf vielen Getränkekarten teurer sind als als die alkoholischen”, klagte er. Neben klaren und transparenten Regeln möchte die Hausleiterin des Mergener Hofs, Bulitta-Steimer, den Jugendlichen auch einen genussvolles und zivilisiertes Trinken vermitteln. Karneval sei schließlich auch ein Kulturgut. Man müsse nur früh lernen, gut und verantwortungsbewusst zu feiern. “Wir sollten uns öfter mal an die eigene Nase fassen”, empfahl Bulitta-Steimer, “und sollten unsere Vorbildfunktion nicht unterschätzen.”
Dass trotz des guten Wetters so viele Menschen zur Diskussion in das Kurfürstliche Palais gekommen waren, zeigt, wie betroffen man auch abseits der Politik von dem Thema ist. Unter den zahlreichen, oft emotionalen Wortmeldungen war ein Schulleiter, ein Mitarbeiter des Weinfestes und ein ehemaliger Alkoholiker. Anwohner beschwerten sich über Saufgelage an Berufsschulen oder am Bahnhof, schnapsverteilende Junggesellen-Abschiede und randalierende Halbstarke an der Jugendherberge. Zum Teil warf man der Polizei vor, an diesen Orten zu wenig Präsenz zu zeigen. Eine Mitarbeiterin in der Kinderstation eines Trier Krankenhauses berichtete von einer klaren Zunahme von Alkoholvergiftungen. “An Tagen, an denen an Trierer Schulen die Zeugnisse ausgestellt werden, müssen wir jedes Mal unser Personal aufstocken. Das ist einfach nur traurig”, erzählt sie.
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Trierischer Volksfreund vom 06.05.2012

Thalfanger Realschule plus hat neue Sozialarbeiterin
An der Thalfanger Realschule plus steht Natalia Rybakova den Schülern, Eltern und Lehrern als Ansprechpartnerin bei allen sozialen Fragen zur Verfügung.
Thalfang Realschule plus und Nachfolgerin von Angelika Mohr, die zuvor zwei Jahre lang. Natalia Rybakova ist die neue Schulsozialarbeiterin an der Thalfanger diese Aufgabe bekleidet hatte. Die 31 Jahre alte Rybakova hat in Russland Germanistik studiert und den Beruf Lehrer angestrebt. Im achten Semester ist sie an die Universität Frankfurt gewechselt. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Trier.
Die Sozialarbeiterin hat an der Realschule plus eine halbe Stelle. Daneben ist sie bei der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais in Trier tätig.
Rybakova will auf den Grundlagen aufbauen, die ihre Vorgängerin an der Thalfanger Realschule plus geschaffen hat. Dazu gehört die weitere Ausbildung von Streitschlichtern an der Realschule plus. Diese sind bei Streitigkeiten erste Anlaufstelle für die Schüler und sollen gemeinsam mit den rivalisierenden Parteien nach Lösungen suchen.
Bei den Schülern der fünften und sechsten Klasse trainiert sie regelmäßig Sozialkompetenzen wie Teambildung, Zuhören, Respekt vor anderen Menschen und die Meinungen anderer zu akzeptieren. "Dabei will ich auch Themen wie Gewalt, Ausgrenzung oder Mobbing präventiv behandeln", sagt sie.
In dem Zusammenhang spielt auch das Internet eine Rolle. "Wir müssen die Jungen und Mädchen über die Gefahren, die im Netz und bei sozialen Netzwerken wie Facebook lauern, aufklären", sagt Rybakova.
In der neunten Klasse bereitet sie die Schüler mit Vorstellungsgesprächen und dem richtigen Verfassen von Bewerbungsunterlagen auf ihre berufliche Zukunft vor. Sie spricht mit den meist 14-Jährigen jedoch auch über Vertrauen und, was die Schüler selbst dafür tun können.
Zudem steht Rybakova bei Problemen nicht nur den Schülern, sondern auch den Eltern als Ansprechpartnerin für schulische, aber auch für häusliche Probleme zur Verfügung. Das Angebot wird häufig in Anspruch genommen, sagt die Schulsozialarbeiterin. "Lassen die Leistungen eines Schülers stark nach, so ermittle ich mit den Eltern und dem Klassenlehrer die möglichen Ursachen. Gemeinsam suchen wir dann nach Lösungen", sagt Rybakova. cst
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16vor vom 30.04.2012

“Wie soll man das erklären?”
Allenthalben ist von Fachkräftemangel die Rede, ebenso regelmäßig fordern Bildungspolitiker mehr akademischen Nachwuchs. Aus dem Blick geraten derweil Menschen mit geringer Qualifikation. Von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt konnten sie bislang kaum profitieren. Es mangele an Beschäftigungsmöglichkeiten, erklärt die Bundesagentur für Arbeit in Trier, mehr als 1.700 niedrigqualifzierten Arbeitslosen stünden gerade mal 140 offene Stellen gegenüber. Der Trierer DGB kritisiert: Die Situation der Betroffenen habe sich deutlich verschlechtert. So würden Niedrigqualifizierte heute wesentlich schlechter bezahlt als noch vor 20 Jahren. In der Region wird inzwischen jede zweite Stelle für Niedrigqualifizierte von Leiharbeitsfirmen angeboten.
TRIER. Julia Franzen ist guter Dinge. In einigen Monaten wird sie ihre Ausbildung beginnen, im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes sammelt sie derzeit erste praktische Erfahrungen. Franzen, die ihren richtigen Namen für sich behalten möchte, arbeitet im Seniorenzentrum der Barmherzigen Brüder in Trier. Sie möchte Altenpflegehelferin werden. Anderen Menschen helfen, erklärt sie, das habe ihr schon immer Spaß gemacht: “Wenn es anderen gut geht, freue ich mich”. Das Gefühl, gebraucht zu werden, tut ihr gut. Zumal Julia Franzens Ausgangssituation nicht die Beste war: Erst besuchte sie eine Förderschule, anschließend absolvierte sie ihren Hauptschulabschluss.
Wenn Kammern, Verbände und Politiker über Fachkräftemangel klagen, denken sie zunächst nicht an Menschen wie Julia Franzen. Dass viele Branchen händeringend nach qualifizierten Bewerbern suchen, führt dazu, dass die Gruppe der Niedrigqualifizierten mitunter kaum noch wahrgenommen wird; Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder solche, die seit mehreren Jahren nicht mehr in ihrem erlernten Job tätig waren. Diese Arbeitslosen haben es ungleich schwerer. Auch in der Region Trier sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt “deutlich schlechter”, bestätigt die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage gegenüber 16vor und liefert auch konkrete Zahlen: Von den aktuell rund 3.200 Arbeitslosen in der Stadt seien etwa 1.740 gering qualifiziert. Dem stünden aber nur ca. 140 Stellen auf Helferniveau gegenüber – Jobs, für die man keine Ausbildung vorweisen muss. Von der insgesamt positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hätten Geringqualifzierte bislang kaum profitiert. Es mangele an Beschäftigungsmöglichkeiten, so die Bundesagentur.
Daniel Knopp, Leiter des Seniorenzentrums der Barmherzigen Brüder, mangelt es nicht an Arbeit. Der Begriff “Pflegenotstand” ist schließlich ebenso allgegenwärtig wie das Schlagwort “Fachkräftemangel”. Knopp und sein Team sind bei ihrer täglichen Arbeit auf Altenpflegehelferinnen angewiesen. Kolleginnen wie Julia Franzen, die im Spätsommer nächsten Jahres ihre einjährige Ausbildung abgeschlossen haben wird – wenn denn alles nach Plan läuft. Damit eventuelle Schwierigkeiten gemeistert werden können, erhält die 19-Jährige begleitend zu ihrer Ausbildung vom Trierer Palais e.V. Unterstützung. Denn aufgrund ihrer schulischen Vorbildung bringt Julia Franzen gewisse theoretische Defizite mit. Auch “weiche” Kompetenzen wie Kritikfähigkeit oder die Bereitschaft, sich in ein Team einzufügen, müssten viele junge Menschen noch erlernen, berichtet Jens Kaiser vom Palais e.V.
Unterstützung vom Azubi-Coach
Hier hilft der Azubi-Coach, der als Ansprechpartner bereit steht und oft schon bei der Berufsorientierung hilft. Kommt es während der Ausbildung zu Problemen im Arbeitsalltag, zu Motivationskrisen oder Situationen, in denen der Auszubildende fachliche oder mentale Unterstützung benötigt, sind Leute wie Jens Kaiser zur Stelle. “Ich bin froh, dass ich diese Hilfe habe”, sagt Julia Franzen, und Daniel Knopp ist überzeugt: “Ohne ein solches Angebot würden viele Auszubildende auf der Strecke bleiben”. Denn was im Rahmen dieses Programms an Unterstützung geboten werde, das könne eine Einrichtung wie das Seniorenzentrum überhaupt nicht leisten. Und auch an der Berufsschule lasse sich nicht in gleichem Maße derart gezielt und individuell auf die Problemlagen der Auszubildenden eingehen. Das bestätigt auch Kaiser, der zugleich betont, dass die Teilnahme an einem solchen Programm von den Unternehmen einige Offenheit verlange.
Der Azubi-Coach ist nur eines von mehreren Programmen, die vor allem ein Ziel haben: Jungen Menschen, deren intellektuelle Voraussetzungen für eine höhere Schulbildung nicht ausreichen oder die aus unterschiedlichen Gründen vom rechten Schulweg abgekommen sind, eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Zu den Programmen zählt auch BIMA, ein Projekt, das eine flankierende Qualifizierung innerhalb einer Arbeitsgelegenheit bietet. Laut Sandra Grau, Leiterin des Bereichs Berufshilfe beim Palais e.V., wurden zwischen 2006 und 2011 insgesamt rund 230 Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren im Rahmen von BIMA begleitet. “Mehr als die Hälfte der Teilnehmer konnte innerhalb der Maßnahme eine berufliche Perspektive für sich erarbeiten”, beziffert sie. Doch seit Jahren werden die Pauschalen gekürzt, und durch eine Instrumentenreform der Bundesagentur für Arbeit, die zum 1. April in Kraft trat, könne BIMA in der bisherigen Form 2013 nicht mehr angeboten werden. Denn künftig seien weder Qualifizierungen noch soziale Betreuung im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten möglich, erläutert Grau.
Ob das Projekt Azubi-Coach im kommenden Jahr fortgeführt werden kann, sei “noch nicht geklärt”, so Grau. Zwar wird dieses Programm nicht von der Instrumentenreform tangiert, weil die Zuschüsse über die sogenannte freie Förderung laufen, die von der Bundesagentur gestärkt werden soll. Allerdings seien die Mittel auch in diesem Bereich stark gekürzt worden und die Finanzierung des Programms deshalb zumindest fraglich. Für Daniel Knopp vom Seniorenzentrum ist die Sache klar: “Es wäre fatal, wenn es den Azubi-Coach nicht mehr gäbe”. Sandra Grau sagt: “Förderung kostet extrem viel Geld”, schließlich müssten junge Menschen in schwierigen Lebensphasen und mit einer Vielzahl unterschiedler Probleme fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Für die Fachfrau ist aber auch klar: Wird an dieser Stelle gespart, würde es die Gesellschaft am Ende teurer zu stehen kommen.
Denn es handelt sich nicht um einige wenige Einzelfälle. Im Gegenteil: Allein in der Region Trier brechen laut Arbeitsagentur jedes Jahr rund 1000 junge Menschen ihre Ausbildung ab. Nur die Hälfte von ihnen nimmt eine neue Ausbildung auf. Und es sind mitnichten nur Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Schichten, die Förderung benötigen – auch in bürgerlichen Kreisen geraten junge Menschen schon mal in Krisen, brechen die Schule ab oder sind völlig orientierungslos wenn es darum geht, wohin die berufliche Reise gehen soll. Auch Drogenprobleme oder eine soziale Verwahrlosung durch das Elternhaus sind Phänomene, die es in allen Schichten gibt und die junge Menschen aus der Bahn werfen können.
Am Ende käme es die Gesellschaft teurer
Versäumnisse in jungen Jahren können das gesamte Leben beeinflussen. So sind die Aussichten von älteren Arbeitnehmern mit niedriger Qualifikation noch bescheidener. Arbeitsvermittler wissen davon ein Lied zu singen. Nicht nur, dass es zu wenige Jobs gibt – häufig sind die Arbeitssuchenden nicht mobil, haben keinen Führerschein oder kein Auto. Viele Stellen für Niedrigqualifzierte finden sich aber in Produktionsbetrieben, die Schichtarbeit haben, aber keine Anbindung an den Nahverkehr. Nicht weniger schwer haben es Alleinerziehende mit geringer Qualifikation, weil sich die Arbeitszeiten oft nicht mit der Betreuung des Kindes vereinbaren lassen. So kommt ein Problem zum nächsten, und was die Situation für viele Betroffene nicht einfacher macht, ist der Umstand, dass in der Region rund die Hälfte aller Stellen für Geringqualifizierte von Leiharbeitsfirmen angeboten werden. Die Folge: Die Arbeitnehmer müssen ultraflexibel sein, erhalten aber für dieselbe Arbeit häufig deutlich weniger Lohn als Menschen, die regulär und fest in dem betreffenden Betrieb eingestellt sind. Nicht wenige Leiharbeitnehmer müssen als so genannte Aufstocker zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen, um halbwegs über die Runden zu kommen.
“Die Situation hat sich für diese Menschen verschlechtert, und zwar in zweierlei Hinsicht”, sagt denn auch Christian Schmitz, Geschäftsführer des DGB in der Region Trier. So würden niedrig qualifizierte Tätigkeiten in der Regel deutlich schlechter entlohnt, als noch vor 20 Jahren – “vor allem, weil es andere, atypische oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse gibt, die massiv ausgeweitet wurden”, beklagt der Gewerkschafter. Auf diese Weise würden tarifliche oder betriebliche Möglichkeiten unterlaufen. So sei in der Region inzwischen fast jeder Dritte im Niedriglohnsektor beschäftigt, beziffert Schmitz. Menschen mit niedriger Qualifikation würden aber weiterhin gebraucht und ihre Arbeitskraft auch nachgefragt, so  Schmitz. Doch weil Minijobs und niedrige Entlohnung vom Steuerzahler subventioniert würden, stelle sich für ihn auch die Frage: “Wie soll man diesen Menschen erklären, dass sie und ihre Arbeitskraft gebraucht werden?”
Dabei ist es das, was gerade junge Menschen in einer Ausbildung benötigen – das Gefühl, gebraucht und respektiert zu werden. “Es wird seit Jahren immer weniger auf den Menschen und fast nur noch auf Leistung geschaut”, sagt Sandra Grau und fragt: “Was wird zurückgegeben?” Neben einem gerechten Lohn, der auch Niedrigqualifizierten ein angemessenes Auskommen sichert, sollten Arbeitgeber einen Blick für die scheinbar kleinen Gesten haben: “Das kann auch einfach nur ein Lob sein, oder eine Betriebsfeier”, so Grau.
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Trierischer Volksfreund vom 01.04.2012

Schulsozialarbeit: Mainz kürzt Zuschuss
Die Stadt Trier hat so viel Geld für Schulsozialarbeiter zur Verfügung wie nie zuvor. Trotzdem drohen Einschränkungen. Paradox? Nein - lediglich die Folge davon, dass das Land zugesagte Fördermittel kurzfristig eingedampft hat.
Trier. An allen acht Trierer Schulen mit Hauptschulzweigen stehen den Lehrern und Schülern Schulsozialarbeiter zur Seite. Die Finanzierung der 6,5 Stellen - manche Schulen teilen sich einen Pädagogen - übernehmen Land und Stadt.
Als im Sommer 2011 feststand, dass das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen geschnürte Bildungspakt auch Geld für Schulsozialarbeit enthält, herrschte Begeisterung. Insgesamt bewilligte der Bund für Schulsozialarbeit in Trier 1,02 Millionen, verteilt auf die Jahre 2011, 2012 und 2013. "Es hieß ausdrücklich, dass die Mittel nicht verwendet werden dürfen für die Finanzierung des bisherigen Landesprogramms", erklärt Triers Schul- und Sozialdezernentin Angelika Birk. Das Bildungspaket des Bundes war demnach gedacht für die Ausweitung des bisherigen, von Land und Stadt finanzierten Trierer Schulsozialarbeitprogramms.
Die Stadtverwaltung handelte schnell: Neben Hauptschulen und Schulen mit Hauptschulzweig sollten auch Förderschulen und Gymnasien Sozialarbeiter erhalten. Besonders für die Grundschulen kam das Bundesprogramm zur rechten Zeit. Denn ein Sonderprogramm der Nikolaus-Koch-Stiftung für Schulsozialarbeit an Grundschulen ist 2011 ausgelaufen - die pädagogischen Zusatzleistungen sollen nun über den Bundeszuschuss weiter finanziert werden.
Sponsoren sollen einspringen
Im vergangenen November stimmte der Stadtrat den Aufstockungsplänen der Stadtverwaltung zu: 8,5 neue Schulsozialarbeiterstellen wurden geschaffen. Zum 1. Januar und 1. Februar stellten die zuständigen freien Träger - der Jugendhilfeverein Palais e. V. und der Treffpunkt Weidengraben e. V. - die Pädagogen ein.Ende Februar kam dann der Brandbrief aus Mainz: Die Landesregierung teilte der Stadt mit, dass das Land seine Mittel für Schulsozialarbeit kürzt, 2012 um rund ein Viertel, 2013 sogar um etwa die Hälfte (siehe Hintergrund). Aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes stünde Trier schließlich genug Geld zur Verfügung, um die Kürzungen zu kompensieren.
Schuldezernentin sauer
Triers Schuldezernentin Birk ist sauer: "Wir hatten uns darauf verlassen, dass die Bundesmittel für die Erweiterung der Schulsozialarbeit zur Verfügung stehen." Dass das Land so kurzfristig seine Zuschüsse kürze, "konterkariert die Zielsetzung des Bundeszusatzprogramms und die Planung der Stadt", kritisiert Birk (Grüne). Statt der zur eigenen Partei gehörenden, zuständigen Landesjugendministerin Irene Alt, gibt Birk dem Landtag, der den Sparhaushalt im Februar verabschiedet hat, die Schuld.Durch die Zusammenstreichung der Landesmittel klafft im Trierer Haushalt für die Schulsozialarbeit in diesem Jahr eine Lücke von rund 52 000 Euro, im nächsten Jahr sind es mehr als 100 000 Euro. Stellenkürzungen wären der letzte Ausweg, betont Birk, die versuchen will, etwa von Sponsoren das fehlende Geld zu erhalten.
Das Mainzer Jugendministerium wiegelt derweil ab: Durch das Bundesprogramm verfüge Trier schließlich insgesamt über viel mehr Geld für Schulsozialarbeit als zuvor. Der Bundesförderung von rund einer Million Euro in den Jahren 2011 bis 2013 stünden Kürzungen beim Landesprogramm in Höhe von lediglich insgesamt 154 000 Euro gegenüber.
2014 endet Bundesprogramm
2013 läuft das Bundesprogramm allerdings aus. Eine feste Zusage, dass 2014 - trotz der immer größeren Einsparzwänge - die Landeszuschüsse für die Schulsozialarbeit wieder hochgefahren werden, gibt das Land nicht. Ministerin Alt werde sich allerdings "dafür einsetzen", teilt das Ministerium auf TV-Anfrage mit.
MEINUNG
Richtige Stelle, falsche Zeit

Hätte das Land seine Kürzungen bei der Schulsozialarbeit rechtzeitig angekündigt, wären wohl alle zufrieden gewesen: Die Trier er Stadtverwaltung hätte statt 8,5 "nur" sieben neue Stellen geschaffen, der Bund mit seinem Bildungspaket endlich mal protzen können und die Schulen wären froh gewesen über die starke pädagogische Unterstützung. Weil das Land allerdings seinen Zuschuss erst zusammengestrichen hat, als die Pädagogen schon eingestellt und die Einsatzpläne an den Schulen geschrieben waren, herrscht jetzt Frust. Dabei setzt das Land den Rotstift nicht an der falschen Stelle an. Schließlich ist die Kürzung des Landesprogramms um gut 150 000 Euro moderat angesichts der 1,01 Millionen Euro, die vom Bund zusätzlich für die Schulsozialarbeit nach Trier fließen. Und immerhin konnten die Pädagogenstellen trotz der Mainzer Sparvorgaben mehr als verdoppelt werden - zumindest für die nächsten beiden Jahre. Der nahezu allgegenwärtige Ärger bei den Bürgern über unvermeidliche Sparzwänge der öffentlichen Hand hätte zumindest in diesem Fall durch eine bessere Zeit- und Kommunikationsstrategie vermieden werden können.
Extra
Land und Stadt finanzieren bislang gemeinsam 6,5 Schulsozialarbeiterstellen. Bisher förderte das Land jede Vollzeitstelle mit 30 600 Euro, den Rest legt die Stadt drauf. Im Februar hat der Landtag beschlossen, 2012 nur noch 22 500 Euro und 2013 nur noch 15 000 Euro pro volle Stelle zu übernehmen. Den Rest muss die Stadt zahlen beziehungsweise aus dem neuen Bundesprogramm - das ursprünglich für zusätzliche Stellen gedacht war - kompensieren. woc
Extra
Josef Linden, Schulleiter der Trierer Integrierten Gesamtschule: "Gewaltprävention, Schlichtungsgespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern sind täglichen Aufgaben der Schulsozialarbeiter. Jeder Euro, der da eingesetzt wird, zahlt sich in der Zukunft der Kinder doppelt und dreifach aus." woc
Extra
Reinhold Spitzley, Leiter Jugendhilfeverein Palais: "Schulsozialarbeit einzuschränken, ist sicher nicht politisches Ziel der Landesregierung. Vielmehr scheint bei dem Versuch, schnell Geld einzusparen, ein Kommunikationsfehler passiert zu sein. Hoffentlich stockt das Land die Zuschüsse zumindest dann wieder auf, wenn es ab 2014 vom Bund kein Geld mehr gibt." woc                                                                                             zurück zur Übersicht

Aktuelles

Ernährungsbildung mit allen Sinnen

Fortbildung »Ich kann kochen!« der Sarah Wiener Stiftung
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Beratungsstelle "Neue Chancen Trier"

Beratungsstelle Neue Chancen: Perspektivencafé am 12.09.2017
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»Einstieg Deutsch«

Lernangebot für Geflüchtete: Neuer Kurs startet im Winter.
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»In Gedenken«

Wir trauern um unser Vorstandsmitglied Dieter Ferring.
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»Hoch hinaus - Das Ferienspecial!«

Termine im Juli bis August 2017 im Waldseilgarten Trier.
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